Buchauszug

Ubersetzter Auszug aus:

Honour Killings in Europe Different approaches; a comparison between responses of honour killing in England and Germany (2013) - Ehrenmorde in Europa, Ein Vergleich vom unterschiedlichem Umgang mit Ehrenmorden in Deutschland und England

"(...) Das alte Ritual Ehrenmord und Gewalt im Namen der Ehre wurde in den letzten Jahren auf nationaler und internationaler Ebene aufgrund dessen Verbreitung intensiv diskutiert. Das mediale Interesse am Thema Gewalt im Namen der Ehre ist groß, zumal das Phänomen auch in westlichen Ländern vermehrt vorkommt. Was aber steckt genau hinter dieser patriarchalen Form von Gewalt?
(...) Um Verbrechen im Namen der Ehre zu verstehen, bedarf es einem Verständnis des Begriffes Ehre und einer Definition von Ehrenmord.
Ehrenmord ist wohl die extremste Form von Gewalt gegen Frauen und beschneidet Menschen, insbesondere Frauenrechte. Ehrenmorde geschehen in allen Gesellschaftsschichten. Primär ist diese Art von Gewalt in islamischen Gesellschaften zu finden, sie geschehen jedoch auch in Kulturen wie Sikhs und Christen in Syrien und Yemen. In unserer globalisierten Welt, passieren Ehrenmorde nicht nur in östlichen sprich islamischen Ländern wie Pakistan, Afghanistan, Yemen, Türkei, Saudi Arabien etc. Durch Migration in unserer globalisierten Zeit ist die Zahl von Verbrechen im Namen der Ehre markant angestiegen. Ehrenmorde unterscheiden sich in entscheidenden Teilen von Beziehungsdelikten wie sie von (Ex-) Partnern begangen werden. Ehrenmorde werden im Normalfall von einem männlichen Familienmitglied wie Vater, Bruder, Onkel Cousin oder Ehemann begangen. Der Täter empfindet meistens keine Reue und die moralische Schuld ist ihm aufgrund der kulturellen Gegebenheit nicht bewusst. Aus Tätersicht hat er etwas wertvolles getan. Der Großteil des sozialen Umfeldes teilt diese Haltung und die meisten Angehörigen haben somit oft kein Interesse mit der Justiz zusammenzuarbeiten, was eine Aufklärung der Tat daraufhin noch schwieriger macht. Ein Beziehungsdelikt mit tödlichem Ausgang hingegen ist in den meisten Fällen ungeplant und geschieht im Affekt. Ein Ehrenmord ist hingegen immer geplant. Man findet Ehrenmorde und Gewalt im Namen der Ehre dort wo das Kollektiv über den Bedürfnissen des Individuums steht; die Ehre der Familie steht über allem. Die islamische Interpretation von „Ehre" ist nicht mit der Westlichen vergleichbar. Die westliche Interpretation wird assoziiert mit etwas Positivem, einer Leistung, dann wird jemand geehrt. In muslimischen Gesellschaften ist die Ehre nichts was erworben wird sondern die Familie ist damit bemüht die Ehre zu erhalten. Ehre kann somit nur verloren werden und muss daher geschützt werden. In einer Gesellschaft in der das Kollektiv der Familie über allen steht sind die Konsequenzen dafür auch entsprechend flankierend. Die Ehre wird von männlichen Mitgliedern der Familie geschützt. Frauen haben die „Aufgabe" die Ehre nicht zu beschmutzen. Dies verlangt von Frauen vor allem Scham, Scham in sexueller Hinsicht. Frauen tragen die Bürde der Ehre, diese nicht zu beschmutzen. Ehre muss von daher also als männliche Ehre verstanden werden. Frauen tragen die Bürde der Ehre, denn sie können nur negativen Einfluss auf die männlich dominierte Familienehre nehmen. Würden Männer diese Ehre nicht verteidigen oder versuchen sie wieder herzustellen, würden sie ihr Ansehen resp. ihre Ehre verlieren. Etwas Schlimmeres kann einem Muslim nicht passieren. Somit haben die Männer das Recht aber auch die Pflicht Einfluss und Kontrolle auf das Leben der Frauen in der Familie zu nehmen. So wird die Ehre zu einem Instrument einer totalitären und patriarchalen Kontrolle. Eine Familie muss auch rasch, sobald die Gesellschaft dies wahrgenommen hat auf Ehrverletzungen reagieren.
Ehrenmorde sind Verbrechen welche Grundrechte wie Freiheit, Sicherheit und das Recht auf Leben beschneiden. Die United Nations hat auf die stetig steigende Zahl von diesen Verbrechen reagiert und in der Resolution von 2004 ihre Besorgnis bezüglich dieser Entwicklung geäußert. Sie nahmen klar Bezug auf Verbrechen und Gewalt gegen Frauen und ermahnten Staaten ihre Pflichten zu erfüllen und an der Eliminierung dieser Verbrechen intensiv zu arbeiten. Sie unterstrichen zudem die Wichtigkeit dass die Selbstbestimmung und Selbstbefähigung von Frauen und Mädchen gefördert werden muss. Damit weist die UN auch auf Zwangsheirat hin. Zwangsehen stehen in engem Zusammenhang mit Gewalt im Namen der Ehre. Denn diese erzwungenen Ehebündnisse unterstreichen und bestätigen die totalitären und patriarchalen Familienstrukturen. Wenn junge Frauen aus diesen Ehen und Strukturen Ausbrechen wollen, laufen sie hohe Gefahr, Opfer eines Verbrechens im Namen der Ehre zu werden. Die Anzahl von Ehrenmorden und Gewalt im Namen der Ehre haben in westlichen Ländern in den letzten Jahren markant zugenommen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die UN geht weltweit von 5'000 Ehrenmorden jährlich aus, die Dunkelziffer wird aber einiges höher geschätzt da auch viele Ehrenmorde als Suizide und Unfälle getarnt werden, und viele nie dokumentiert werden. Schutzeinrichtungen sind jedoch weltweit sehr unterschiedlich und in verschiedenen Kulturen, Subkulturen und Parallelgesellschaften wird diese Art von Unterdrückung und Gewaltanwendung legitimiert (...)"

 

 

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